Was kümmert mich der Lockdown dort unten, hier oben bin ich frei, Corona ist unter den Wolken aber nicht über ihnen. So könnte man beim Betrachten dieses Panoramas wohl denken. Um den Gipfel des Großen Sonnsteins zu erreichen brauche ich kein Auto, sondern lediglich meine Bergschuhe, Wanderstöcke, meine Kamera und ..... selbstverständlich meine Hündin Julie. An einem Wintertag mit Inversionswetterlage gehen wir beide los. Von der Haustür bis zum Anstieg sind es gerade mal fünfzehn Gehminuten. Dichter Nebel und zähneknirschende Kälte begleiten uns. Julie ist in ihr wärmendes Mäntelchen gehüllt, ich in eine dicke Daunenjacke, am Rücken den kleinen Lowe-Kamerarucksack. Na ja, mit fünfundsechzig bist’ halt nicht mehr ganz so schnell. Früher wäre ich hier heraufgelaufen, aber in einer Stunde schaffen wir´s auch heute noch. Julie läuft übrigens den dreifachen Weg, ... vor-zurück, vor-zurück ... immer Ausschau haltend, ob ich eh nachkomme. Irgendwann durchbrechen wir die Wolkendecke und warme, winterliche Sonnenstrahlen wärmen uns. Schnell wird es bei der Anstrengung des Steigens warm unter den Klamotten. Nun stehen wir hier oben und betrachten die Berge des nördlichen Salzkammergutes - den Traunstein, den Erlagkogel, das Tote Gebirge ... traumhaft schön. Und nein Corona ist nicht unten geblieben im Tal -
zumindest nicht in meinem Kopf. Fragen stellen sich mir: War das für die Menschheit ein Schuss vor den Bug? Müssen wir umdenken in unserem Handeln, in unserem Konsum, überhaupt in unserem Leben. Müssen wir nicht wieder Werte suchen, wie Gemeinsamkeit, Rücksichtnahme, Toleranz, Verzicht, Schutz der Natur und unseres Planeten? Ja, das müssten wir eigentlich! Aber ich befürchte, wir werden es nicht tun! Wenn Corona vorbei ist, wird wieder alles so weitergehen wie zuvor. Streben nach Macht, Gier nach Reichtum, koste es was es wolle und wenn es sein muss, bis zur Selbstvernichtung. Schlimme Gedanken, die mir da durch den Kopf gehen. Ist es wirklich so, oder besinnen wir uns doch noch? Meine bittere Schlussfolgerung: ich weiß es nicht ... wir werden sehen.
Ich schiebe diese Gedanken weg, während ich mein leichtes Rollei-Carbonstativ aufbaue, darauf meinen Nodalpunktadapter von Mengs ans Stativ und darauf meine geliebte Wander-Kamera-Kombi Sony Alpha 6000 mit dem 18-200 mm Objektiv montiere. Zehn vertikale Teilbilder entstehen, die in meinem Computer zu einem Panorama im 3:1 Format zusammengefügt werden. Trotz dunkler Zeiten .... ein kleiner Lichtblick!

Reisen? Ça ne marche pas! Shoppen? Does not work either! Essen gehen? No es posible en absoluto! Was geht denn dann!! Na mit dem Hund Gassi gehen und fotografieren! Genau das tue ich an jenem grauen Wochentag. Der Hund freut sich und mir tut es gut. Ehrlich ... wenn du durch deinen Heimatort gehst und weißt, dass du nirgendwo anders hin sollst (kannst), aber trotzdem deiner Berufung „Fotografie“ nachgehen möchtest, fängst du an, den Ort mit anderen Augen zu sehen. Ich weiß nicht wie oft ich bereits an diesem Aufnahmestandpunkt des gezeigten Panoramas gestanden bin und gar nicht daran gedacht habe eine Foto zu schießen, geschweige denn, dass ich überhaupt eine Kamera mit dabei gehabt hätte. An diesem Tag schneit es die ganze Zeit, die Landschaft wirkt wie angezuckert. Das Licht ... fahl und grau, ungemütlich und abweisend. Die Farben sind reduziert auf schwarz und weiß, die Schneeflocken tanzen in der Luft zu den Lauten der an die Betonmauer klatschenden Wellen. Der nasskalte Wind kriecht selbst unter meine dicke Daunenjacke
und verursacht ein Frösteln auf der Haut. Nur meine Hündin July lässt das alles unbekümmert. Gut gelaunt tollt sie im Schnee herum, wälzt sich darin genüsslich und lässt mir genügend Zeit zu überlegen, ob ich eine Foto machen soll oder nicht. „Na ja,“ sage ich mir „probier’s halt. Wenn´s nichts wird, gibt es ja den delete button“. Und so ziehe ich eher lustlos das Panorama auf den Sensor. Zu Hause am Computer probiere ich dann herum - nehme dort Belichtung weg, füge da eine Blende hinzu, experimentiere mit digitalem Grauverlaufsfilter, probiere unterschiedliches Korn (rauschen). Irgenwann nehme ich die Farbe total raus und suche mir einen passenden digitalen Rahmen, erhöhe den Kontrast und überlagere alles mit einem ganz leichten Sepia-Farbton. „Na ja,“ denke ich mir letztendlich „passt ja. Wettbewerb werde ich damit wohl keinen gewinnen, zumal ich auch ein totaler Antiwettbewerbsfotograf bin, aber anschauen kann man´s schon, das Panorama vor der Haustür.“
Das wohl berühmteste Motiv des Hintersees im Berchtesgadnerland ist jenes mit den kleinen Felseninseln im Vordergrund und dem Hochkaltermassiv im Hintergrund. Aufgrund seiner Attraktivität wird der Standpunkt auch „Malerwinkel“ genannt. Pro Jahr fotografieren zigtausend Profis, Amateure und Handy-Knipser dieses bekannte Bild. Ich wollte mich nicht dazugesellen und versuchte auf einer Wanderung rund um den See andere Motive zu finden. So schön dieser kleine Gebirgssee auch sein mag, an Alternativen hat er nicht viel zu bieten. Trotzdem wollte ich einen Versuch starten und pickte mir den einzigen lukrativen Standpunkt neben dem Malerwinkel heraus. Einen Vorteil hatte jedoch meine Position. Ist der Malerwinkel normalerweise von Touristen total überlaufen, hatte ich hier meine Ruhe. Das Licht war eher flach, nicht besonders gut - die Sonne versteckte sich zumeist hinter einer Wolkenbank. Das hatte zwar den Vorteil, dass der Kontrast in der Landschaft allgemein nicht sehr hart war, aber den Nachteil, dass in den Wolken keine Struktur lag - ein gutes Motiv um mit diversen Filtern zu experimentieren. Normalerweise verwende ich kaum Filter - abgesehen von einem Polfilter. Aber dort wo ich es als notwendig empfinde, habe ich keine Scheu sie einzusetzen. Hier wollte ich wissen was machbar ist! Ich schraubte meinen B&W Polfilter vor die Zeiss Optik (2,8/24-70 mm) der Sony-Kamera. Darauf drehte ich den Filterhalter von Lee mit dem Grauverlauffilter. Ich kontrollierte die Bildwirkung. Die Wolken hatten jetzt Struktur, aber die Farben kamen, verursacht durch den Polfilter, etwas zu kalt -
speziell in den Wolken. Also steckte ich zusätzlich einen Warmtonverlauffilter in den Filterhalter. Die Wolken wurden jetzt eingefärbt, aber leider auch die Bergspitze, was unnatürlich aussah. Was also tun? Ich drehte den Filterhalter so, dass der Farbverlauf rechts schräg durch das Bild verlief, die Bergspitze nicht mehr beeinflusste, die Wolken aber schon. Daraufhin wurde die Belichtungszeit bei Blende 11 ermittelt, die Kamera von Automatik- auf Manuellmodus umgestellt und beim Panorama Indexier Rotator, auf dem der Nodalpunktadapter festgesetzt war, die entsprechenden Grade eingestellt. Jetzt machte ich, mit einer Drehung des Stativkopfes im Uhrzeigersinn, acht Hochformatbelichtungen mit einer Bildüberlappung von etwa 30%. Dann wurde die Kamera auf den Ausgangspunkt zurückgestellt, der Warmtonverlauffilter nach links gedreht und wiederum acht Hochformatbilder gemacht - eine klassische Doppelbelichtung für den Computer. Was dabei herauskam, konnte ich erst auf meinem Eizo-PC-Monitor sehen. Ich stitchte die 16 Hochformatbilder also mit Photoshop zusammen und fällte das Urteil „nicht schlecht, aber auch nicht perfekt“. Zum Abschluss legte ich noch einen digitalen Skylightfilter der Nik-Software über das Bild und schärfte es mit dem Photoshop-Befehl „unscharf maskieren“. Fertig! Was gibt es schöneres in dieser schwierigen Zeit als hinauszugehen, die Natur zu entdecken und in Bildern festzuhalten.
Island gehört sicherlich zu meinen Lieblingsdestinationen. 25mal war ich bereits auf der Feuerinsel: im Zelt, in Hotels, alleine, mit meinem Sohn oder mit einer Gruppe Amateurfotografen. Soferne es das Schicksal und Corona will, wird es heuer das 26mal werden. Im Juli darf ich einer Gruppe natur- und abenteuerbegeisterter Fotografen, im Auftrag von Kneissl-Touristik, die Schönheiten dieses Landes zeigen. Eigentlich sollte man meinen, dass nach so vielen Reisen, einem die Insel in- und auswendig bekannt ist. Natürlich kenne ich die meisten Motive, weiß ganz genau, wann ich zu welchem Zeitpunkt wo sein muss um zu guten Bildern zu kommen. Trotzdem, die Insel in- und auswendig zu kennen, das mute ich mir nicht zu. Bei jeder Reise kommt Neues dazu, entdecke landschaftliche und kulturelle Reize, lerne neue Menschen kennen und das ist unglaublich spannend. Ich könnte noch 25mal nach Island reisen und würde mir nicht anmaßen zu sagen: „Ich kenne dieses Land“. Ja nicht einmal die meisten Einheimischen kennen alle Winkel ihrer Heimat.

Ich weiß nicht wie viele Wasserfälle es dort gibt. Kaskaden die bei uns als Naturspektakel gelten würden, finden in Island kaum Beachtung - denn es gibt Größeres, viel Größeres: Gullfoss, Goðafoss, Hengifoss, Dynjandi, Seljalandsfoss, Skógafoss, Hafragilsfoss, Detifoss, um nur die Bekanntesten von Hunderten zu nennnen. Sie haben es sicherlich schon erraten: Foss steht für Wasserfall. Ein besonders Imposanter ist für mich der Háifoss. Er liegt in der Nähe des berüchtigten
Vulkanes Hekla. Die Fossá í Þjórsárdal (Fossá - sprich Fossau - heißt soviel wie Wasserfallfluss) stürzt über eine senkrechte Felsklippe 122 Meter in die Tiefe. Nur 200 Meter entfernt liegt ein zweiter Fall - der Granni (bedeutet soviel wie ‘Nachbar’). Er ist allerdins „nur“ 101 Meter hoch und wird ebenfalls von der Fossá í Þjórsárdal gespeist. Ich war alleine mit einem geländegängigen Auto unterwegs. Vom Bauernhof Stöng wanderte ich entlang der Fossá stundenlang zu diesem Wasserfall. Manchmal musste ich den Weg suchen, weil er nicht immer erkennbar war. Es gibt nur einen Punkt an dem man beide Wasserfälle zugleich fotografieren kann. Aber selbst mit einem 14 mm Ultra-Weitwinkel-Objekiv schaffe ich es nicht - zumal durch die Weitwinkelperspektive viel zuviel Vordergrund und Himmel aufgenommen und das eigentliche Motiv der Wasserfall in die Ferne geschoben und damit viel zu klein abgebildet wird. Mit einem Panorama, bestehend aus mehreren Aufnahmen, kann es gelingen - wenn man weiß wie´s geht. Es wird nicht viele Bilder geben, in denen beide Wasserfälle vereint nebeneinander abgebildet sind.
Übrigens die Hekla (Haube) ist einer der aktivsten Vulkane Islands. Im Mittelalter vermutete man in ihr das Tor zu Hölle. Der flache Kegel ist 1491 Meter hoch, über 6000 Jahre alt und erhebt sich aus einer 40 Kilometer langen Vulkanspalte. Diese sechsstündige Wanderung - so anstrengend sie auch sein mag - zählt für mich zu den absoluten Highlights einer Islandreise. Das Geschilderte ist aber nur eine Besonderheit von Hunderten Naturschönheiten.

Ersucht man eine(n) Schottlandrückkehrer(in) die Landschaften zu beschreiben, wird er (sie) sich möglicherweise etwas schwer tun. Wie soll man auch Emotionen und Eindrücke so etaillieren, dass es sein Zuhörer nachvollziehen kann. Mit Bildern allerdings geht das einfacher. Das gezeigte Panorama erzählt Vieles über das schottische Gefilde. Düster mit Sonnenschein - tief hängende, dunkle Wolken mit hell erleuchteten Landstrichen - Regen mit dampfenden Moorlandschaften - zurückhaltende Farben mit bunten Flecken, hie und da verteilt wie ausgeworfene Streusel - abwechselnd kalt, dann wieder warm.
Fotografisch gesehen gibt es kaum eine größere Herausforderung, wenn man so wie ich, digitale Panoramen mit mehreren Teilbildern belichtet. Früher als ich mit meiner Noblex noch 6x17 cm Dias aufnahm, was das kein Problem. Mit dem Druck auf den Auslöser war die Sache erledigt. Heute brauche ich für ein Bild mit derselben Ratio acht Aufnahmen im Hochformat, die dann mit dem Computer zusammengesetzt werden. Ich
ermittle also Blende und Belichtungszeit, mache die erste Aufnahme, drehe die Kamera ein Stück weiter und mache die zweite Aufnahme. Alles wunderbar! Die Sonne scheint vom Himmel, die Zeit-Blenden-Kombination ist stabil. Als ich aber das sechste mal auslösen will, verkriecht sich die Sonne hinter einer Wolke. Die Belichtungszeit fällt um mindestens zwei Blendenstufen und alles war umsonst. Also warten auf ein neues Wolkenloch und auf einen neuen Versuch. Genauso ist es mir bei dem gezeigten Panorama ergangen. Ich brauchte genau sieben Versuche bis ein Wolkentor so stabil blieb, dass das Moor im Vordergrund lange genug für acht Aufnahmen beleuchtet wurde.
Man hört immer wieder: „Durch die digitale Fotografie ist alles einfacher geworden!“ Das stimmt nur bedingt. Zeit, Blende und Schärfe stellt die Kamera selbst ein, aber das macht noch lange kein Bild - ein Foto schon, aber kein Bild! Die fotografischen Gesetze sind damals wie heute gleich. Eines davon heißt Geduld .... viel Geduld. Die Anderen sollte man beherrschen und dazu braucht es Übung und viel Gefühl.
Island - ein Reisetraum, nicht nur bei Fotografen aus aller Welt, sondern auch bei Naturliebhabern, Abenteuerlustigen und Ruhesuchenden. Nicht umsonst steht Island in der Reisebranche ganz oben in der Rangliste der beliebtesten Destinationen. Ich besuchte die Feuerinsel schon fünfundzwanzig mal und so Gott will, heuer das sechsundzwanzigste mal. Auf diese Reise freue ich mich ganz besonders, denn es ist zu erwarten, dass aufgrund des traurigen Anlasses der Coronakrise, der Ansturm auf die Insel sehr stark nachgelassen hat und man Island wieder in Ruhe genießen und fotografieren kann. Ein besonders beliebtes Fotomotiv ist die Holzkirche und die benachbarten fünf spitzgiebligen Holzhäuschen in der Dehnungszone von Þingvellir. Ursprünglich gab es seit der Annahme des Christentums im Jahre 1000 eine Kirche am Platz, für die der Norwegerkönig Olav der Heilige das Bauholz und eine Glocke stiftete. Von ihr ist nichts mehr erhalten geblieben. Das heutige Kirchlein wurde 1899 errichtet. In den fünf spitzgiebligen Häuschen ist die Nationalparkverwaltung untergebracht. Unzählige wunderschöne Wanderwege führen durch diese Dehnungszone - z.B. zum
Öxarárfoss, der in einer 20 Meter hohen Kaskade über die Felsklippen stürzt, oder zu Almannagjá (Allmännerschlucht) den wichtigsten historischen Platz in Island und der geologischen Grenze zwischen Europa und Amerika, zum See Þhingvallavatn oder in einer langen Tour auf den Schildvulkan Skjaldbreiður. Eine halbe Woche könnte man mit seinen Erkundungen alleine in diesem Gebiet verbringen, würden da nicht noch so viele Naturschönheiten in der Nähe liegen. Der berühmte Geysir Strokkur, der sagenumwobene Wasserfall Gullfoss, der Beginn der Hochlandpiste Kjölur und der vor kurzem ausgebrochene Vulkan Fagradalsfjall liegt auch nicht weit weg. Þingvellir ist der ideale Startpunkt einer Islandreise. Von Reykjavik hierher sind es bloß ein paar Fahrstunden. Egal in welche Himmelsrichtung man von Þingvellir aus fährt, die fantastischen Naturschauspiele folgen Schlag auf Schlag. Hans Gsellmann, ein von mir sehr geschätzter und leider viel zu früh verstorbener Kollege hat einmal gesagt: „Du musst nicht die ganze Welt gesehen haben, aber Island musst du gesehen haben!“