Dieses Bild ist bereits „uralt“. Ich habe es 1987 im Norden Thailands aufgenommen. Nach
getaner Arbeit im Wald, wurden die Elefanten im Fluss von ihren Mahuts liebevoll
gewaschen und gehätschelt.
Damals war man noch meilenweit weg von der digitalen Fotografie. Das Abbilden von
gestern war im Vergleich zum heute noch unmittelbarer. Man legte einen Film in die
Kamera - wobei schon die Wahl des Materials eine Glaubensfrage war - stellte am
Fotoapparat Zeit und Blende ein - oder ließ sie von der Automatik ermitteln - fokussierte auf
das Motiv - oder ließ scharfstellen wer bereits eine der seltenen Autofokuskameras besaß -
und drückte ab. Ob das Bild gut geworden war, konnte man erst eine Woche später
feststellen, wenn der Film von der Entwicklungsanstalt zurückkam. Die Auslese ergab
meistens zwei bis drei gute Aufnahmen von 36. Diese wurden sorgfältig gerahmt und das
war´s. Keine nachträglichen digitalen Korrekturen, keine Tricks mit der Ebenentechnik in
Photoshop, kein nachträgliches Radieren, Verwischen, Einblenden und was weiß ich noch
alles. Ist das Dia schlecht geworden, landete es im Papierkorb. Ist es gut geworden, aber
hat man störende Details zum Aufnahmezeitpunkt nicht gemerkt, waren sie unauslöschlich
auf dem Bild und man ärgerte sich noch Jahre danach, bei der Aufnahme schlampig
gearbeitet zu haben. Die Lichtbildnerei war noch ehrlich, aber auch nur deswegen, weil die
technischen Mittel fehlten um nachträgliche Manipulationen durchführen zu können. Ehrlich
war die Welt damals wie heute nicht.
Ein paar Tage nach Weihnachten unternahm ich einen Ausflug zum Langbathsee, der nur
ein paar Kilometer von meinem Wohnort entfernt liegt. Vom Vorderen Langbathsee gelangt
man auf einer wunderschön gespurten Langlaufloipe zum Hinteren Langbathsee, für mich
persönlich einer der am schönsten gelegenen Alpenseen überhaupt. Mit dabei ist immer
meine Alpha 6000 mit dem Zoom 18-200 f/3.5-6.3 OSS. Dieses Objektiv ist zwar nicht so
hochgezüchtet wie ein zur Sony gehörendes Zeiss oder eine Linse der GM-Serie, dafür
kostet es auch wesentlich weniger (so um die € 550,--), ist leicht und hat sich für solcherlei
Unternehmungen bestens bewährt, stehen mir doch für den Kleinbildbereich umgerechnete
27-300 mm zur Verfügung. Das reicht für 90% der Aufnahmen allemal. Die mechanische
und optische Qualität dieses Tools ist unumstritten. Kein Langläufer wird neben der Kamera
auch noch ein entsprechendes Stativ mitschleppen und so habe ich dieses Panorama aus
freier Hand geschossen.  Vom anderen Ufer des Sees zoomte ich das Motiv mit 200 mm
(300 mm KB) heran. Weil ich den ISO-Wert auf 100 eingestellt hatte und das Licht ziemlich
diffus war, fürchtete ich, das Bild zu verwackeln. Aber da sprangen die elektronischen
Helferlein ein. Innerhalb von Sekundenbuchteilen beruhigte der Stabilisator das Sucherbild
und ich konnte mit leichtem Unbehagen bei 200 mm und einer dreißigstel Sekunde
fotografieren. Skeptisch begutachtete ich das Ergebnis am Kameramonitor - zu klein um es
richtig beurteilen zu können. Ich verließ mich also auf den „Stabi“ und war erstaunt, als ich
auf meinen großen Eizo PC-Bildschirm drei knackscharfe Teilbilder zensierte, die ich
anschließend zu einem Panorama zusammenfügte. Ein Panorama dieser Qualität mit drei
Teilbildern, bei 200 mm und 1/30 sec. - das sollte schon was heißen. Es ist ein gutes Gefühl
sich auf sein Gerät verlassen zu können, egal welcher Kameramarke.
An diesem Tag herrschte Inversionswetterlage. Im Gebirge gibt es diese besondere
Situation des Öfteren. Hierbei sind die oberen Luftschichten wärmer als die unteren
gelagert. Die warme Luft über der Inversionsschicht verhindert das Aufwärmen der unteren
Luftmassen. Diese können dadurch nicht aufsteigen.  In der Folge steigt die Lufttemperatur
im Gipfelbereich immer weiter an, während es im Tal frostig kalt bleibt. In manchen
Alpentälern kann es dadurch arktische Temperaturen erreichen, wobei -30° C durchwegs
möglich sind. Am Tag der Aufnahme maß das Thermometer -12° C. Die Feuchtigkeit in
den kalten Luftschichten bleibt gebunden, kann nicht verdunsten und kondensiert zu
Eiskristallen. Es bildet sich ein ganz besonderes Licht. Von Oben dringt nur schwach der
Sonnenschein durch, der von diesen Kristallen reflektiert wird - das Resultat: ein absolut
schattenfreies, diffuses Streulicht, das bläulich erstrahlt. Dem Menschen fällt es nicht auf,
weil unser Gehirn den Blauanteil des Lichtes kompensiert. Schnee ist aber in den
seltensten Fällen wirklich weiß. Wenn man sich die Aufnahmen später am Bildschirm
ansieht, ist man verwundert warum der Schnee blau oder gelb kommt und nicht weiß. Aber,
Schnee hat weiß zu sein und damit basta. Das menschliche Auge funktioniert ähnlich wie
eine Kamera nur viel komplexer. Es sieht was tatsächlich ist! Der Schnee kann dabei blau,
gelb, grün, ja sogar rötlich gefärbt sein - je nachdem wie er seine Umwelt reflektiert. Im
Gegensatz zum Menschen verfügt die Kamera aber über kein Gehirn. Dieses rückt die
Farben wieder zurecht wie wir es wahrnehmen wollen. Und unser Wille sagt uns: Schnee ist
weiß!!! Trainierte Fotografen können diesen Trugschluss beeinflussen oder ihn ganz
ausschalten. Er kann die Farbe des Lichtes - also der Reflektionen - wahrnehmen wie sie
tatsächlich sind und nicht wie sie das Gehirn sehen will. Dazu gehört, wie gesagt,
jahrelanges Training. Übrigens: wussten Sie, dass wir unsere Welt auf dem Kopf stehend
betrachten? Erst unser Gehirn rückt sie wieder in die richtige Position.

Das Panorama habe ich mit meiner ersten Mittelformatkamera aufgenommen, der Zenza
Bronica ETRS. Normalerweise hatten auf dem Film sechzehn Aufnahmen im Format
45x60 mm Platz. Die Filmcassette was austauschbar und konnte ersetzt werden. Eine
davon fasste einen 24x36 mm Kleinbildfilm und es war möglich, Dias eben in diesem
Format zu produzieren. Eine Andere fasste ebenfalls einen Kleinbildfilm, den man
allerdings im Panoramaformat 24x60 mm belichten konnte. Die Aufnahme vom
„Elefantenbad“ entstand damit.
Wieder zuhause angekommen, erarbeitete ich meinen ersten Vortrag in
Mittelformattechnik mit den Projektoren Rollei-Vision 66 AV. Der Titel: „Thailand - Perle
des Fernen Ostens“. Für damalige Zeiten war das visuelle Erlebnis wunderbar, die Größe
der Projektion war aber eingeschränkt durch die Leuchtkraft eines einzelnen Projektors.
Dies war auch der Grund, weswegen ich später auf die 6x6 Mittelformat Mehrfeldprojektion
umgestiegen bin. Einen Rollei 66 AV besitze ich noch. Er lagert gut verpackt im Keller. Hin
und wieder hole ich ihn hervor und bewundere die brillant leuchtenden 6x6 Dias auf der
Leinwand. Ja das waren noch Zeiten damals, als mit dem Druck auf den Auslöser alles
geschehen war und die im Bild gezeigten Arbeitselefanten noch nicht durch Bulldozer
ersetzt waren.
Meine Vortragstournee „WUNDER DES NORDENS - Schottland im Sommer, Island im
Winter“ neigt sich dem Ende zu - nur noch ein paar Vorträge im Herbst sind geplant.
Irgendwann einmal kam mir der Gedanke, danach meine „Kariere“ als Vortragsfotograf zu
beenden, letztendlich wird man ja nicht jünger und das Medium befindet sich
zugegebenermaßen in einem Wellental. Eine wirklich absolut professionelle Produktion in
höchster Qualitätsstufe auf die Beine zu stellen, erfordert viel körperlichen, teils
kräfteraubenden Einsatz. Immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, ist keine
Glücksache alleine, sondern bedarf genauer Planung und vor allen Dingen jeder Menge
Stress. Betrachter, egal ob in Fernsehdokumentationen oder in Vorträgen, haben keinen
Einblick in den „Backstage-Bereich“. Sie sind fasziniert von den Bildern, Videosequenzen
oder/und der Background-Musik, sehen aber nicht die große Mühe und den totalen Einsatz
der dahinter steckt, bestenfalls können sie ihn lediglich erahnen. Aber wer sich nun mal mit
dem Virus „Reisen und Fotografieren“ infiziert hat, bei dem ist eine „Heilung“ sehr schwer
oder gar nicht möglich. Also will ich es noch einmal wissen und plane eine ganz besondere
Tour. Demgemäß wird das nächste Thema den Titel tragen: „MIT DEM MOTORRAD
DURCH EUROPA - Vater und Sohn auf ihren Bikes durch den alten Kontinent.“ Wir beide
wollen mit unserer BMW und KTM durch etliche Länder des vielfältigsten Erdteiles der Welt
trampen. Mir ist eines bewusst geworden: ich habe alle Kontinente dieses Planeten bereist,
aber von unserem eigenen weiß ich eigentlich viel zu wenig. Das will ich ändern!
So plane ich mit meinem Sohn Motorradreisen durch Ungarn und Rumänien bis zum
Donaudelta und zurück über den Balkan - oder ins Baltikum, nach Holland und Frankreich,
Spanien und Italien, Cornwall und Griechenland. Im Sommer geht’s los! Mal sehen - überall
wird Sascha nicht mitkönnen, schließlich muss er noch pauken. Aber wann immer es
möglich ist, starten wir unsere Feuerstühle und donnern los mit einer umfangreichen Foto-
und Videoausrüstung und hoffentlich unseren Schutzengeln am Sozius. Angefangen hab
ich schon einmal mit dem Besuch der Hohen Tatra. Ich war gerade dort angekommen, da
riss nach einem heftigen Gewitterregen die Wolkendecke auf und es ergab sich eine
wunderbare Lichtstimmung. Solche Aufnahmen kann man nicht planen, sie sind immer
Glücksache. Zum Aufbau des Stativs hatte ich vorerst keine Zeit. Schnell wechselte ich das
Objektiv und bajonettierte das Tele drauf um die Perspektive zu verdichten, ermittelte den
Zeit-Blendenwert, stellte um auf manuell und … einmal klick … ein Stück weiter … noch
einmal klick … wieder ein Stück weiter … und noch einmal Klick … alles mit 30%iger
Überlappung der Bildfelder zum erfolgreichen zusammenkleben per Computer. So das
erste Panorama hatte ich im Kasten. Jetzt nahm ich mir die Zeit, das Stativ aufzubauen,
den Stativkopf zu justieren, die genaue Brennweite zu eruieren, den Nodalpunkt zu
ermitteln und auf dem Nodalpunktadapter einzustellen, die horizontale und vertikale Achse
auszurichten, Zeit- und Blende zu ermitteln und auszulösen. Für Sie sind diese Begriffe ein
‚spanisches Dorf‘? Macht nichts. Sie brauchen sich die Bilder bloß anzusehen und sie
hoffentlich auch genießen. Ich mache die Arbeit dahinter. Das nennt man Aufgabenteilung.
Ich stecke mitten in den Vorbereitungen für mein neues Projekt „Mit dem Motorrad durch
Europa“. Im August geht es mit der ersten ausgedehnten Fahrt los. Mein Sohn und ich
werden durch die ungarische Puszta nach Rumänien fahren - das dortige Ziel ist neben
vielen kulturellen und landschaftlichen Attraktionen das Donaudelta mit seiner einzigartigen
Vogelwelt und die Schwarzmeerküste. Zurück geht es dann über Serbien zu den Plitvicer-
Seen und entlang der Adriaküste über Slowenien nach Hause. Es ist immerhin eine Stecke
von geschätzten 3.600 km. Ich werde versuchen während unserer Motorrad-Reise immer
wieder auf Facebook zu berichten. Neben einer Foto- und Videoausrüstung, sind auch
noch eine Action-Cam (auf dem Motorrad montiert) und eine HD-Drohne mit dabei. Eine
andere Fahrt - ich weiß noch nicht ob heuer oder im nächsten Jahr - wird uns durch die
Slowakei, Polen, das Baltikum und über Norddeutschland nach Holland führen. Ich war
heuer im April bereits mit meinem „Dokker“ in Holland und zwar um die Tulpenblüte zu
fotografieren. Dabei habe ich natürlich schon Erkundigungen über Fotostandpunkte und
Lichtrichtungen eingeholt. Ein Blick auf die Karte ließ mich einen Abstecher auf die Insel
Marken im Markenmeer machen. Dort befindet sich auf eine Landspitze der bekannte
Leuchtturm Paard van Marken (Pferd von Marken). Das erste Leuchtfeuer auf Marken
wurde 1700 in Betrieb genommen. Der heutige Rundturm wurde 1839 errichtet und das
Leuchtfeuer im selben Jahr offiziell in Betrieb genommen. Der exponierte Standort ist bei
winterlichen Stürmen der Spritzwasservereisung besonders ausgesetzt - 1971 reichte das
Eis bis zum Dach. Die überschaubare Insel Marken ist nur 3,3 km lang und 1,7 km breit.
Vom gleichnamigen Ort führt ein schöner Wanderweg zum Leuchtturm, der bei
gemächlichem Tempo in gut dreißig Minuten zu erreichen ist.
Trotzdem habe ich mich verschätzt! Hier - fast 1000 km nördlich von Österreich - sind die
Tage im April schon wesentlich länger, das trifft auch auf die Sonnenuntergänge zu. Bei
meinem Besuch herrschte Prachtwetter, das Abendrot war grandios, aber leider
landeinwärts gerichtet. Daher wollte ich den Leuchtturm in der „blauen Stunde“
fotografieren - wenn möglich mit eingeschaltetem Leuchtfeuer. Also hieß es - wie schon so
oft in meinem fotografischen Leben - warten. Insgesamt waren es vier Stunden die ich
ausharrte, bevor sich die Sonne hinter dem Horizont verkroch. Dann gesellte sich ein
englischer Fotograf dazu. Er erzählte mir, dass er sich auf die Leuchtturm-Fotografie
spezialisiert habe; sein Ziel sei es, alle Leuchttürme in Nordeuropa abzulichten, diejenigen
auf den britischen Inseln und Irland hätte er bereits im Kasten. Später - wiederum zu Hause
angekommen - habe ich versucht zu „googeln“, wie viele Leuchttürme es in Nordeuropa
gibt - ich habe aufgegeben es war mir zu mühsam.
Nach einem unterhaltsamen Gespräch, sprang plötzlich das Leuchtfeuer an. Jetzt hatten
wird natürlich keine Zeit mehr zum Plaudern. Wir fotografierten bis zur völligen Dunkelheit
und schlenderten dann gemeinsam den Wanderweg zurück. Weil wir unser Quartier im
selben Ort aufgeschlagen hatten - er in einem schönen Wohnmobil, ich im Dokker -
beschlossen wir, in einer Bar gemeinsam ein Bier zu trinken. Wir diskutierten über die
Fotografie, über fremde Länder im Allgemeinen und über das Reisen im Speziellen. Aus
einem Bier wurden drei, erst dann schlenzten wir zu unseren Autos und gingen in die „Heia
“.
Holland ist flach, voller Tulpen und Windmühlen, unzählige Grachten ziehen sich durchs
Land, ganz Amsterdam stinkt nach Cannabis, auf den Wiesen weiden schwarz-weiß-
fleckige Kühe, alle Niederländer pantoffeln in Holzschuhen herum und ernähren sich in
erster Linie von Käse. Ein Klischee, das vor allen in den Köpfen von Asiaten und
Amerikaner sitzt, bevor sie das Land bereisen. Das ist ungefähr so, als würde man meinen,
alle Bayern und Österreicher laufen in Lederhosen herum, tragen Spitzhüte mit Gamsbart
und versorgen sich täglich mit Schnitzel, Schweinbraten und literweise Bier. Na ja,
Letzteres mag ja vielleicht hinkommen, wenn man der Statistik glauben schenken will, aber
alles andere?
Fakt ist: Holland ist flach wie eine Flunder, im April blühen in gewissen Landesteilen
tatsächlich ganze Felder voller Tulpen und die Luft ist geschwängert vom Duft der
Hyazinthen. Tatsache ist Weiters, dass das Fleckvieh bei den Landwirten sehr beliebt ist,
weil es beste Milch gibt, mit der dann hervorragender Käse und Butter hergestellt wird. Das
mit dem Cannabis lassen wir mal beiseite und die Holzschuhe werden Großteils in den
Souvenirläden angeboten, obwohl: hin und wieder konnte ich schon ältere Menschen in
ländlichen Gebieten damit herumstelzen sehen. Und das Bier? Das süffeln die Holländer
mindestens so gerne wie die Bayern und Österreicher. Schweinebraten ist auch sehr
beliebt vornehmlich mit Pflaumenmus und Süßkartoffeln und das berühmte Wiener Schnitzel
ist zumeist so dick wie die New-York-Times zum Wochenende.
Was ist mit den Windmühlen? Davon gibt es gottseidank wirklich noch viele, obwohl deren
Bestand auch schon zusammengeschrumpft ist. Aber diejenigen, die es bis in die heutigen
Tage geschafft haben, werden liebevoll instand gehalten und präsentieren sich für uns
Fotografen als wunderbare Motive. Bei meinen Reisen durch die vielen exotischen Länder
auf allen Kontinenten oder heimischen Länder in Europa bewege ich mich mit meinem
Fahrzeug zumeist auf Nebenstraßen, einsamen Feldwegen und Waldstraßen, sowie per
Pedes auch auf schmalen Pfaden. Dort finde ich zumeist die schönsten Motive. Ehrlich
gesagt ich weiß nicht mehr wo ich diese Windmühle fand und auf welchen Wegen ich
dorthin gekommen bin. Ich weiß noch: beide Zeiger meiner Uhr zeigten auf die Ziffer Vier,
das Licht war schon weich, die Schatten wurden lang. Ich baute mein Stativ auf, montierte
die Kamera drauf und drehte das 2,8/24-70 mm Zeiss-Objektiv auf das Bajonett. Dann
wartete ich - ich weiß nicht mehr wie lange, aber mindestens eine Stunde. Ich genoss die
Idylle, die Ruhe, den Frieden. Schmetterlinge flatterten umher, das Gezwitscher der Vögel,
das Summen von Insekten erreichten meine Ohren, im Wind wogen sich die Gräser und
Blumen, feine Wolken zierten den Himmel. Es waren ganz banale Eindrücke, die man im
Alltag oft nicht wahrnimmt. Als ich das Gefühl hatte, jetzt sei der richtige Zeitpunkt drückte
ich auf den Auslöser. Nur eine halbe Stunde später, verschleierten Wolken die Sonne und
den blauen Himmel. Das Licht war weg und kurz darauf setzte Nieselregen ein.
Die Zederberge (englisch Cederberg mountains) sind ein vornehmlich aus Sandstein
aufgebauter Gebirgszug 200 km nördlich von Kapstadt, im Städtedreieck Clanwilliam,
Wupperthal und Citrusdal. Die Berge sind bekannt für ihre bunten Blütenteppiche im
Frühling (August/September), sowie für Höhlen mit historischen Felszeichnungen der
Ureinwohner, der San (Buschmänner). Eine weitere Besonderheit stellt die weltweit fast
ausschließlich in den Cederberg Mountains angebaute Rooibospflanze dar, aus welcher
der Rooibostee (Rotbuschtee) gewonnen wird. Das Naturreservat der Zederberge erstreckt
sich vom Middelberg-Pass bei Citrusdal bis nördlich des Pakhuis-Pass bei Clanwilliam,
umfasst etwa 71.000 Hektar und steht seit 2004 auf der Weltnaturerbe-Liste der UNESCO.
In einfachen und anspruchsvollen Wanderungen kann man die Zederberge erkunden. Sie
führen zu bizarren Steinformationen, wie z. B. dem Malteserkreuz oder dem Wolfsberg-
Bogen. Ich brach in Clanwilliam mit einem kleinen Toyota Geländewagen auf um eines der
Wahrzeichen der Zederberge zu fotografieren - das Malteser-Kreuz. Die Straße war
anfangs entlang des Clanwilliam-Stausees noch recht passabel. Mit zunehmender Höhe
und je weiter ich in die Gebirgslandschaft vorstieß, wurde sie aber schlechter - total
ausgewaschen von den winterlichen Regen- und Schneefällen und teils mit tiefen
Schlaglöchern übersät. Abschnittsweise war wirklich nicht mehr drin als
Schrittgeschwindigkeit. Dafür blühten links und rechts der „Straße“ Blumen und Sträucher in
den unterschiedlichsten Farben. Ich war im August, also im südafrikanischen Frühling,
unterwegs. Zwei Tage zuvor hatte es heftig geregnet und das genügte um die Zederberge
und das Namaqualand von einer trostlosen, gottverlassenen Wüste in ein blühendes
Paradies zu verwandeln, in einem Kontrast, wie man ihn selten woanders auf der Erde
sieht.
Die spektakuläre Berglandschaft ist nach der bedrohten Clanwilliam-Zeder benannt, die nur
in dieser Region zu finden ist. Im letzten Jahrhundert wurden die Zedern durch den
Bauboom beinahe ausgerottet, alleine 2.700 Bäume wurden zu Telefonmasten verarbeitet.
1973 wurde dem ein Ende gesetzt und der Lebensraum der Clanwilliam-Zeder unter
Schutz gestellt. Doch erst vor ein paar Jahren vernichtete ein verheerender Waldbrand
einen der wenigen noch existierenden Bestände. Von den einst, den steilen Berghängen
hinaufwachsenden, Wind und Wetter trotzenden Bäumen, sind nur mehr schwarze Stumpen
übrig geblieben. Heute sind die alten, knorrigen Bäumen mit den fast weißen Stämmen nur
noch selten zu sehen, doch Aufforstungsprogramme sind im Gange.
Nach über zwei Stunden holpriger Fahrt erreichte ich schließlich die Abzweigung bei der
Dwarsrivier Farm. Von dort führt ein schmaler, steiler Gebirgspfad hinauf zu den
Felswänden in deren Hochtal das bekannt Malteser-Kreuz steht. Für mich als alte „Bergfex“
war die „Kletterei“ anfangs wenig mühsam und total genüsslich. Beiderseits des Pfades
blühten gelbe, orange, rote, blaue und lilafarbene Blumen, durchsetzt von großblütigen
Proteen. Nach knapp einer Stunde wurde der Weg steiler, die Sonne brannte vom Himmel,
es regte sich kein Windhauch - nur gut, dass ich genügend Wasser mitgenommen hatte.
Der Steig ging über in Blockkletterei und war abschnittsweise nur zu erahnen. Trotzdem ich
es gewohnt war in den heimatlichen Bergen herumzulatschen, kam ich ganz schön ins
Schwitzen. Zudem drückte die umfangreiche Fotoausrüstung zunehmend auf meine
Schultern. Nach zwei Stunden öffnete sich die besagte Hochebene. Sie liegt immerhin auf
einer Höhe von 1412 Meter. Der Pfad wurde breiter und war jetzt unschwer zu gehen. In der
Ferne konnte ich bereits das Malteser-Kreuz erkennen. Noch sah es zwergenhaft aus, aber
mit schrumpfender Entfernung wirkte es monumental - immerhin streckt es sich zwanzig
Meter in den blauen afrikanischen Himmel. Keine Menschen- und Tierseele war hier, es
herrschte totale Stille, nicht einmal das Krächzen eines Gebirgsvogels war zu vernehmen.
Lediglich der Sand protestierte knirschend unter meinen zermalmenden Sohlen. Ich
umrundete das Malteser-Kreuz mehrmals und fotografierte es von allen Seiten. Trotz der
„genussvollen Mühen“ des Aufstieges war diese Wanderung ein wunderbares
Bergerlebnis, an das ich noch heute gerne zurückdenke.
August 2012: Sechs Wochen bin ich nun schon im südlichen Afrika unterwegs um für meine
neue Produktion „Abenteuer Afrika“ zu fotografieren und zu filmen. In dieser Zeit habe ich
geschwitzt wie ein Firmgöd und gefroren wie ein Schlosshund. Während es in der Namib
tagsüber 30° C und mehr erreicht, fallen die Temperaturen während der Nacht weit unter
die Null Grad-Grenze. Meine Tour begann in Kapstadt, zog sich entlang der Atlantikküste
bis in den Norden Namibias und findet nunmehr in Simbabwe sein Ende. Die letzten Tage
will ich damit verbringen, die Victoria Wasserfälle foto- und videografisch zu
dokumentieren. Im August ist der Wasserstand des Sambesi sehr hoch und die
Wassermassen stürzen sich entsprechend spektakulär über die Fallkannte der Victoria
Fälle. 108 Meter stürzen sich die Fluten in ein Höllenloch aus dessen Schlund die Gischt
hunderte Meter weit ins Land weht. Ich erreiche den Ort Livingston am späten Nachmittag
und mache mich sofort auf den Weg um die besten Fotostandpunkte zu erkunden. Ich war
bereits zweimal hier, aber damals war Sommer und der Sambesi führte kaum Wasser. Die
Fälle waren fotografisch in etwa so interessant wie das Schmelzwasser aus einer
Regenrinne im März. Aber jetzt tosen die Gewalten und schon aus großer Entfernung ist ein
dumpfes Grollen und Donnern zu vernehmen. Es ist schon ziemlich dämmrig, viel zu wenig
Licht um zu fotografieren. Auf meiner Wanderung entlang der Abbruchkante bemerke ich
ein Seil, welches über die Schlucht gespannt ist.
Nächsten Tag kehre ich zurück. An der Stelle wo sich das Seil über den Abgrund spannt,
macht sich ein Filmteam für Aufnahmen bereit. Dies weckt zwar mein Interesse, ich will
aber nicht weiter stören und konzentriere mich auf meine eigenen Foto- und Dreharbeiten.
Schließlich habe ich meine neue professionelle Sony Videokamera mit dabei und die
verlangt meine volle Aufmerksamkeit. Bei den Aufnahmen bewege ich mich flussabwärts
und entferne mich dabei immer mehr vom Filmteam. Am späten Nachmittag, das Licht war
nicht mehr besonders gut, wandere ich wieder flussaufwärts und erreiche schließlich die
Stelle, an der sich das Seil über die Fälle spannt. Das Filmteam hat ebenfalls aufgehört zu
drehen und ich komme mit einem Kameramann ins Gespräch. Er erzählt mir, dass die
Crew im Auftrag des südafrikanischen Fernsehens eine Dokumentation über den Sambesi
dreht und zwar vom Ursprung an der Grenze zwischen Sambia und dem Kongo bis zu
seiner Mündung in den Indischen Ozean. Natürlich waren die Victoria-Fälle eine der
Höhepunkte. Für spektakuläre Aufnahmen ließen sie sich von einem Helikopter ein Seil
über die Schlucht spannen. Die Kamera wird dabei an eine Gondel montiert, die auf dem
Seil langsam über die Schlucht gleitet. Das Seil weist ein ganz geringes Gefälle auf,
dadurch wird kein  
Rundum-Zugseil benötigt, sondern nur ein einfaches Zugseil, das die Gondel mit einem
Elektromotor an das andere Ufer zieht. Auf dem Foto hängt das Seil durch. Es wird erst
kurz vor der Aufnahme straff gespannt, damit das Material geschont wird. Immerhin
belasten dann einige hundert Kilo Zugkraft das Seil. „Warum macht ihr das mit einem Seil?
Wäre eine Kameradrohne nicht viel weniger aufwändig?“ „Ja schon“, seine Antwort „aber
eine Drohne würde bei dieser Gischt und der damit verbundenen Luftfeuchtigkeit keine fünf
Minuten fliegen. Das Wasser sucht sich seinen Weg in die Elektronik und verursacht
Kurzschlüsse. Das Ding würde auf Nimmerwiedersehen abstürzen.“ Angesichts meiner
professionellen Ausrüstung will er wissen was denn mein Vorhaben sei. Ich erkläre es ihm
und mache nebenbei die Bemerkung, dass das schon Wahnsinnsaufnahmen sein müssen
wenn die Kamera über den Victoria-Wasserfällen schwebt. Meine Vortragsbesucher
würden staunen. „Weißt Du was?“ erwidert er: „Wir drehen morgen wieder. Sei um zehn
Uhr hier. Deine Kamera ist nicht besonders groß und in der Gondel wäre noch Platz. Ich
rede mit meinem Chef, vielleicht können wir sie dazuhängen. Allerdings Verantwortung
können wir keine übernehmen. Wenn das Ding runterfällt, ist es weg.“ „Danke für das
Angebot. Ich überleg´s mir. In jedem Fall werde ich zusehen kommen." Während der Nacht
quälen mich Gedanken. Soll ich es wagen. Meine Sony war ziemlich teuer und wenn sie
runterfällt? Andererseits, ist die Gelegenheit einmalig um zu spektakulären Aufnahmen zu
kommen. Nach langem Überlegen, fasse ich den Entschluss … „Wer nicht wagt, der nicht
gewinnt!“.
Am nächsten Tag ist meine Entscheidung hinfällig, denn es schüttet wie aus Scheffeln.
Trotzdem wandere ich hinunter zum Set. Die Gondel hängt am Seil, die Kamera ist
montiert, aber das Licht ist schlecht, die Sicht gleich null, alles grau in grau. „Wollt ihr
wirklich drehen?“ „Nein“ sagt mir der Kameramann vom Vortag, sein Name ist übrigens
Eric. „Es ist unter diesen Umständen sinnlos. Auch morgen ist noch Schlechtwetter
angesagt. Erst übermorgen ist Wetterbesserung in Aussicht. Aber ich habe mit meinem
Chef gesprochen. Er hat nichts dagegen, wenn wir deine Kamera mit in die Gondel
montieren. Wenn sich herausstellt, dass sie bei den Probeaufnahmen nicht stört, hast du
deine Sequenz im Kasten. Ist das nicht toll?!“ „Ja, schon“ erwidere ich, „aber Übermorgen
um diese Zeit rase ich bereits in zehntausend Metern Höhe nach Hause. Aber trotzdem,
danke für das Angebot.“
Tja, wäre schon toll gewesen die schwebende Perspektive über dem Sambesi. Aber zu
Hause angekommen, freue ich mich über die gelungen Aufnahmen aus „Eigenproduktion“.