Schnee, Schnee, Schnee und nochmals Schnee. Ich wohne in einem der schönsten
Flecken der Welt, im Salzkammergut - dort wo andere auf Urlaub hinfahren. Aber derzeit
versinken wir in Schnee. Das mag lustig sein für Kinder und meinen Hund, die in der
weißen Pracht herumtollen und ihren Spaß haben. Aber für Diejenigen, die beinahe 24
Stunden am Tag im Räumungsdienst mit dem Schneepflug oder den Schaufeln unterwegs
sind, ist das mehr als anstrengend. Und für uns Fotografen? Die Fotomotive sind zwar in
ein prachtvolles weißes Kleid gehüllt, ab was soll´s, wenn man sie nicht erreichen kann?!
Wenn du zu deinem Wintermotiv willst, musst du stundenlang bis zum Bauch im Schnee
stapfen, kriechen, puddeln, wühlen - man kann da sehr erfinderisch in der Art der
Fortbewegung werden. Nein, bei so viel Schneetreiben, bei starken Windböen,
Verwehungen, ohne Sicht, ohne Licht und ohne Motivation bietet selbst dem eingefleischten
Fotografen sein Hobby nur bedingt Spaß. Darum möchte ich mit dem heutigen Panorama
Wärme, bunte Farben und Sonnenschein auf den Bildschirm bringen. Gemacht habe ich es
im April des Vorjahres in Keukenhof, in den Niederlanden. Dort erfreuen in einem wahren
Blütenrausch Tulpen- und Hyazinthenfelder bis zum Horizont das menschliche Auge und die
Kameraobjektive. Neben
den Feldern gibt es auch einen wunderschön angelegten Park mit unzähligen Tulpen- und
anderen Blumenarten. Es duftet - wir würden wohl sagen nach Maiglöckchen - aber nein,
es sind die Hyazinthen die einen sinnenbetäubenden Geruch über die Landschaft Hollands
tragen. Ihn kann man mit der Kamera natürlich nicht einfangen, aber immer wenn ich die
Bilder aus Keukenhof ansehe, regen sie meine Geruchssensoren an. Beim Fotografieren
musste ich sehr viel Geduld aufbringen, denn es war nicht einfach bei den vielen
Besuchern aus aller Welt, brauchbares Bildmaterial zu erarbeiten. Immer wenn ich dachte
jetzt kann ich abdrücken, stand wieder ein Japaner im Weg. Trotzdem - diese Farben, die
Arrangements der Blumenbeete, in Kombination mit dem schäfchenwolkendurchsetzten
Himmel und dem zarten Grün der wiederbelebten Zweige - ein unwiderstehlicher Kitsch,
Rosamunde Pilcher in den Niederlanden. Aber wer sagt, dass Kitsch nicht schön und
fotogen ist? Und wer bestimmt war Kitsch ist und was nicht? Für mich ist Kitsch die
Sinnenwahrnehmung Derjenigen, die Schönheit nicht wahrhaben wollen oder können. Und
so habe ich mich nach einer Woche wieder auf den langen Weg durch Deutschland nach
Hause gemacht, mit einem Koffer voller Kitsch.