Der weiße Winter hat uns in dieser Saison ja leider im Stich gelassen. Nur in den höheren Regionen gibt´s Schnee, was jedoch nicht heißt, dass man dort zwangsläufig bessere Motive findet als in den Tälern. Der Schnee sieht "als" aus, die Wäler sind dunkle nichtssagende Flächen, der Himmel oft weißgrau und fahl. Eigentlich ist nichts da, weswegen man die Kamera in den Rucksack packen und losziehen soll, um stimmungsvolle Landschaftsaufnahmen zu machen. Es sei denn …?
Es sei denn, der Fotograf konzentriert sich nicht auf die Landschaft als solche, sondern auf die Stimmung die entstehen kann, aber nicht zwangsläufig muss. Es braucht keine sensationellen Sujets um Stimmungen einzufangen, sondern viel Geduld und die angelernte Eigenschaft, Wolken lesen und das Wetter einschätzen zu können. Ich hab an der Stelle, an der ich das Panorama gemacht habe, schon oft gestanden und wirklich
hervorragende Bilder geschossen. Im tief verschneiten Winter, wenn die Schneelast die Äste zu Boden drückt, im Herbst, mit rotbraun verfärbtem Laub und im Frühling, wenn alles in frischem Grün erscheint. Ja selbst im Sommer sind mir schon schöne Aufnahmen geglückt. Nicht so an diesem Nachmittag! Alles grau in grau. Also entschied ich mich mit meinem Hund "July" rund um den Offensee zu wandern. Dabei bemerkte ich schon bald, dass es aufzuhellen begann und sich schöne Wolken am Himmel bildeten. Nach der Umrundung des Sees hielt ich am Aufnahmeort inne. Die Wolkendecke wurde löchrig und ich entschied mich abzuwarten was passieren würde. Nach einer Stunde wollte ich aufgeben, aber dann begann sich die Wolkendecke zu lichten und zu verfärben. July bettelte allerdings schon - sie wollte weiter. Aber diese eine Viertelstunde des Fotografierens musste ich ihr noch abverlangen. Dafür gab´s nachher reichlich Leckerli.
Schon als Bub habe ich die endlosen, ebenen Weiten unseres Planeten, ganz egal wo, bewundert. Es war mir fremd bis zum Horizont blicken zu können – dorthin wo die Erde aufhört und der Himmel anfängt – war ich doch ein Kind der Berge. Für mich endete die Welt dort, wo das Tal aufhört und der nächste Berg anfängt. Nicht, dass ich daran keinen Gefallen gefunden hätte, aber es war eben Alltag. Alles was mit einem wiederkehrenden Alltag verbunden war, war mir aber ein Gräuel. Vielleicht ist damals diese innere Unruhe in mir entstanden, die mich immer wieder hinaustrieb in die Weiten der Erde – egal ob Eis- oder Sandwüste, Dschungel, Steppe oder die Gipfel der Berg, die mich ebenfalls in die vermeintliche Unendlichkeit blicken ließen. Erst mit zunehmendem Alter kehrte in mir eine gewisse Ruhe ein. Sie ließ mich zurückblicken auf ein aufregendes, aber eben unruhiges Leben, von dem ich jedoch keine Minute missen möchte.

Als ich Vorjahr mit meinem Motorrad durch die Weiten des Ostens unseres Kontinents unterwegs war erlebte ich wieder jenen Punkt, wo sich Erde und Himmel berühren …. in den Ebenen der Puszta. Mit dem Motorrad hat man gegenüber dem Auto einen gewissen Vorteil. Man kommt fast überall hin, vorausgesetzt natürlich es ist erlaubt, oder der Besitzer hat nichts dagegen. Einmal sah ich in weiter Entfernung einen dieser berühmten Ziehbrunnen wie sie für die Puszta typisch sind (es war nicht der in diesem Panorama gezeigte). Am Straßenrand lag ein Bauernhof. Ein älterer Mann arbeitete im Garten. Ich wusste nicht ob er der Besitzer war, aber ich fragte, ob ich zum Brunnen fahren dürfe um ihn
zu fotografieren. Nur ein schmaler Wiesenpfad führte zu ihm. Ich hatte ehrlich gesagt keine
Lust dorthin zu laufen, zumal ich noch eine gehörige Strecke zu fahren hatte. Der alte Mann – er sprach sogar deutsch – fragte zurück: „Kannst du Motorradfahren?“ Ich sah ihn verdutzt an. „Ja natürlich, warum?“ „Warum solltest du dann dort nicht hinfahren können um zu fotografieren?“ Die Antwort gefiel mir und ich brauste lost.

Nun aber zum gezeigten Panorama. Dieser Brunnen lag unweit der Straße und war leicht erreichbar. Kurz zuvor hatte es leicht geregnet und es zeichneten sich interessante Wolkenkonstellationen am Himmel ab. Zwei Stunden musste ich allerdings warten, bis sich die gezeigte Wolkenschicht über den Brunnen bildete. Ich verwendete einen Zeiss Polfilter. Die Wirkung bei Gegenlicht war nicht besonders groß, aber er intensivierte die Farben, was ein bis eineinhalb Blenden an Licht kostete. Darum war ein stabiles Stativ unabkömmlich. Darüber noch ein Cokin-Warmtonverlaufsfilter. Zuhause am Computer verstärkte ich die Wirkung noch mit einem digitalen Grauverlaufsfilter. Nun mag der eine oder andere denken: „Total verfälscht!“. Das finde ich nicht! Mit Filtern hat man schon zu Analogzeiten gearbeitet. Es gab da richtige Spezialisten dafür. Filter zur Optimierung eines Bildes einzusetzen ist keine Verfälschung. Eine Fälschung ist, wenn ich dem Betrachter etwas suggerieren will, was so nicht stattgefunden hat. Das Bild jedoch in seiner Wirkung und Aussagekraft mit entsprechenden Filtern zu verstärken ist keine Fälschung – man spricht von Optimierung.

Ist auch völlig egal, Hauptsache es gefällt!
Finnland ist nicht nur flächenmäßg groß. Wenn man durch das Land reist, erscheint es einem aufgrund der geologischen Struktur riesig. Unendliche Wälder, zahlreiche Seen und großteils absolute Einsamkeit sind die ständigen Begleiter. Mit 338.465 km² ist das Land beinahe so groß wie Deutschland, hat aber im Vergleich dazu lediglich etwas mehr als 5,5 Millionen Einwohner, d.h. es kommen auf den Quadratkilomer lediglich 16 Seelen. Österreich bringt es auf 106 und Deutschland gar auf 233 Ansässige per Quadratkilometer. Aber gerade durch dünn besiedelte Länder reise ich unglaublich gerne. Ich genieße die Einsamkeit und das auf sich alleine gestellt sein. Einer der Gründe weshalb ich Wüsten,  Vulkaninsel, Urwälder oder unsere Bergen so schätze. Obwohl das Alleinsein auf unseren Alpen ist auch so eine Sache, über die man diskutieren kann. Das Panorama der Finnischen Seenplatte entstand auf einer Anhöhe. Den Hügel kann man allerdings nicht erfahren, er will erwandert werden. Zu meiner Schande muss ich gestehen, mich nicht mehr erinnern zu können, wo genau in Finnland ich das Bild aufgenommen habe. Ich weiß nur noch, dass ich in dem kleinen Dorf am Seeufer ein vorzügliches Lachsgericht zu einem allerdings nicht vorzüglichen Preis genossen habe. Aber was solls, ich war bereits drei
Wochen unterwegs und hatte die Nase voll von Konserven und Salat aus dem Glas, von Packerlsuppen und Nudeln vom Gaskocher. Mancher empfindet Finnland als langweilig  - nur Wald und See. Oberflächlich gesehen mag das vielleicht stimmen. Darum muss der Tourist tiefer in das Land eindringen, z.B. in den Wald. Er ist voller Elche, Rentiere, Luchse, Füchse, Wölfe und Bären. Und in den Gewässern wimmelt es nur so von Fischen, Ottern und Bibern. Eine Kanufahrt auf den Seen und Flüssen ist ein Abenteuer, eine Wanderung durch die Wälder ein Erlebnis. Trifft man dann auf ein Dorf, freut man sich auf den Kontakt mit Einheimischen. Sie sind sehr gastfreundlich und hilfsbereit, aber auch zurückhaltend. Ein Menschenschlag, der mir sehr symphatisch ist. Solange der hungrige Mitteleuropäer bei Fischgerichten bleibt, empfindet er die Küche als vorzüglich. Alles andere hingegen ... na ja! Da sind wir hierzulande schon sehr verwöhnt. Ich habe die Erfahrung gemacht, je weiter die Reise in den Norden geht, desto gewöhnungsbedürftiger sind die Mahlzeiten. Ich habe Finnland keinewegs als langweilig empfunden, sondern als spannend und lehrreich. Irgendwann, wenn Reisen wieder möglich sind, werde ich nochmals hinfahren.

Es ist schon eine Weile her, dass ich das letzte mal in Australien verweilte. Ich habe den Kontinent von Süden nach Norden, von Westen nach Osten bereist und bilde mir deswegen nicht ein, das Land lückenlos zu kennen - bei Weitem nicht! Eine Stadt, die mir in sehr angenehmer Erinnerung blieb, ist Perth. Die Millionenmetropole liegt im äußersten Westen und ist durch die Weitläufigkeit  und Leere der Landschaft dermassen abgeschnitten, dass die Entfernung z.B. zu Singapur näher ist, als jene zur nächsten Großstadt des eigenen Landes Adelaide. Perth ist zurecht auch als die Pensionistenresidenz Australiens bekannt. Viele ältere Leute fühlen sich dort wohl, kommt ihnen doch das Klima sehr entgegen. Die Winter sind mild, die Sommer warm. 8,8 Sonnenstunden pro Tag, was etwa 3200 Sonnenstunden und 138 klaren Tagen pro Jahr entspricht, macht Perth zur sonnigsten Hauptstadt Australiens. Ja, Sie haben richtig gelesen „Hauptstadt“, denn Perth ist die Hauptstadt des australischen Bundesstaates Westaustralien. Ich habe Perth mehrmals besucht und könnte mir gut vorstellen hier meinen Lebensabend zu verbringen, wäre ich nicht so heimatverbunden. Ich bin immer gerne verreist, aber auch immer gerne heimgekehrt. Die Umgebung von Perth ist landschaftlich sehr attraktiv, mit teils spektakulären Felsformationen. Einige kleinere Städte in leicht erreichbarer Nähe, nehmen den Bewohnern das Gefühl der Isoliertheit. Für den Besuch einer großen Metropole wie Adelaide, Melbourne oder Sydney braucht man das Flugzeug, mit dem Auto wäre man tagelang im sprichwörtlichen Nichts unterwegs. Die Distanz von Perth zur Hauptstadt des Landes Canberra beträgt nicht hier meinen Ruhestand zu verbringen - wäre es .... ja wäre es bei uns nicht so schön.
weniger als 3089 Flugkilometer, bzw. eine Fahrtstrecke von 3.715 Kilometer. Bevor die ersten Europäer ihre primitiven Holzhütten bauten, das ist nicht einmal 200 Jahre her, bewohnten die Ureinwohner - die Aborigines - das Perth-Gebiet seit mindestens 38.000 Jahren, wie archäologische Überreste belegen.
Weil es in Perth keine Großindustrie gibt, ist die Luft sauber und klar. Für große Konzerne liegt die Stadt zu abgeschieden, zeigt sich die Infrastruktur als zu schwierig. Sie siedeln sich lieber an der Süd- und Ostküste an - dort gibt es die großen Fracht- und Flughäfen. Perth versteht sich vielmehr als intellektuelles Zentrum, dementsprechend haben sich zahlreiche Universitäten mit den verschiedensten Fachrichtungen angesiedelt - wie z.B. die University of Western Australia, die Curtin University, die Murdoch University oder die Edith Cowan University.
Das erste mal war ich mit meiner Frau im Jahr 1996 in Perth und stand am Aufnahmestandort des Panoramas. Seitdem hat sich das Stadtbild laufend geändert. Das gezeigte Panorama entstand 2012 und ist auch nicht mehr ganz aktuell. Zwischen den beiden Wolkenkratzern in der Mitte wurde ein weiterer, noch höherer Koloss gebaut, der optisch gesehen, eigentlich gar nicht so recht in die Skyline passen will. In meinen Augen ist der Turm mit seinem Eisengestell an der Spitze nur ein „ugly building“.
Trotzdem - mit seinen weitläufigen Parkanlagen, dem milden Klima, den freundlichen Menschen und dem fehlenden Stress einer Metropole, könnte ich mir sehr gut vorstellen, hier meinen Ruhestand zu verbringen - wäre es .... ja wäre es bei uns nicht so schön.